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Erinnerungen an den Guasmo

Auch zwei Jahre nach ihrem Freiwilligendienst erinnert sich Yara gerne und voll Dankbarkeit an die Erlebnisse im Guasmo zurück. In ihrem Erfahrungsbericht beschreibt sie diese besondere Zeit und die Menschen, die sie auf ihrem Weg kennenlernen durfte.

Sonntag, der 27. September 2026. Heute vor zwei Jahren war ich voller Vorfreude und Aufregung, denn keine zwei Wochen später würde die Reise nach Ecuador losgehen. Eine Reise, die mich an viele wundervolle Orte Ecuadors und Perus führen würde, doch welche an dem Ort startete, mit welchem ich mich auch heute noch sehr verbunden fühle: Dem Guasmo, Guayaquil und Clave de Sur. Zwei Jahre später texte ich mit meinen Gasteltern, sehe Fotos von meinem kleinen Gastbruder, der erheblich größer geworden ist, höre, dass meine Gastschwester kurz vor dem Abi steht, und spüre ein Fünkchen nostalgischen Fernwehs.

Die Zeit, in der ich in Guayaquil war, war eine Besondere. Sie war geprägt von den cortes de luz, also staatlich geregelten Stromausfällen aufgrund fehlender Energie. Es wurde zu meiner Lebensrealität und bald auch Normalität, dass es vier Stunden lang Strom gab, dann wieder vier ohne, dann wieder vier mit, … . Manchmal hielt der Stromausfall auch acht Stunden an. Kühlschrank, Elektroherd, Licht, E-Piano – all das funktionierte dann einfach nicht. Und da die Sonne in Guayaquil bereits gegen 18 Uhr untergeht, sind die Straßen dann dunkel und das Kriminalitätsrisiko entsprechend höher. Viele Musikschüler*innen konnten daher nicht oder nur im Hellen und in Begleitung ihrer Eltern zum Unterricht kommen. Bandproben und andere soziale Aktivitäten mussten häufig abgesagt werden, besonders, weil die Stromausfälle oft kurzfristig angekündigt wurden und es uns daher unmöglich war, Dinge im Voraus zu planen.

Aber wenn es kein Licht und kein Strom gibt, muss man eben kreativ werden. Ein Klassiker in unserer Familie war das Bingo spielen – jede*r hat eine Kleinigkeit beim Kiosk in der Straße gekauft – eine Minitüte Chips, eine Granadilla oder Gummibärchen – und diese wurden als Preise in die Mitte des Tisches gelegt. Jede*r bekam ein Bingo-Blatt und eine Handvoll Maiskörner, welche auf die Felder gelegt werden konnten. Und dann wurden Bingokugeln gezogen. Das Schöne am Ganzen war auch, dass alle – sowohl die Gastoma am Kugeln ziehen als auch die Kleinen der Familie – dabei ihren Spaß haben konnten. Und ich natürlich auch 🙂

Meine Gastfamilie hat mir unfassbar viel gezeigt und erklärt, mich mitgenommen und mich Teil haben lassen. An den Vormittagen, an denen ich keine Schüler*innen hatte, habe ich mit meinem Gastvater gekocht, manchmal über Politik diskutiert, und vor allem ganz viel Salsa gehört – vom Gran Combo de Puerto Rico bis hin zu moderner Salsa Romántica. Und wir haben so viel gekocht, dass mich kaum etwas besser zurück nach Guayaquil versetzen kann, als zu einem guten Salsasong patacones aus Kochbananen zu machen. Naja, es gibt einen Klang, der mich noch besser in den Guasmo versetzt – das Klingeln des Eisverkäufers, der mit seinem selbstgemachten Kokoseis durch die Straßen zog. Oder auch der Ruf des FlipFlop-Verkäufers: zapatillas zapatillas – buenas, bonitas y barratas 🙂

Meine Gastfamilie ist und bleibt mir super wichtig, ebenso wie die wundervollen Menschen, die ich in Clave de Sur kennenlernen durfte und die hier in diesem Text noch keinen Raum bekommen haben. Und so wie sie mich als Teil der Familie aufgenommen haben, habe auch ich sie tief in mein Herz geschlossen und bin jetzt, zwei Jahre später, genauso wie auch damals schon, voller Dankbarkeit.

Ein Erfahrungsbericht von Yara Laue

 

 

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