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Infos für Musiker*innen

Infos für Musiker*innen

  1. Projekt & Rahmenbedingungen
  2. Ein typischer Tagesablauf
  3. Das Ziel
  4. Besonderheiten

Guayaquil ist die größte und bevölkerungsreichste Stadt in Ecuador. Ca. 3 Millionen Menschen leben im Großraum dieser schwül-heißen Hafenstadt, die geprägt ist von Arbeiter – und Hafenflair mit einer ganz eigenen Romantik. Es gibt unzählige laute, lebhafte und volle Straßen – hier wird aus einer dreispurigen Straße auch gerne einmal eine fünfspurige gemacht und die Verkehrsregel „Wer hupt hat Vorfahrt“ scheint ungeschriebenes Gesetz zu sein. Brauchbare und weniger brauchbare Produkte werden auf den Straßen und in den Bussen von fahrenden Händler*innen verkauft. Zu diesem Zweck drehen die Busfahrer*innen die Musik auch etwas leiser. Zwischendrin gibt es immer einige (auch für Tourist*innen attraktive) Oasen, z.B. ein kleiner Leguan-Park oder DIE Promenade (Malecon 2000) am Río Guayas.

Der Stadtteil Guasmo Sur am Rande der Stadt wirkt dagegen fast ländlich und ruhig. Hier wachsen Obstbäume und andere Pflanzen, es fahren wenige Autos, kleine Straßen werden regelmäßig zu Fußball und Volleyballplätzen umfunktioniert. Doch lebhaft geht es hier auch zu: Fast immer klingt Musik durch die Gassen, Kinder spielen draußen, die Menschen sitzen auf der Straße und unterhalten sich oder spielen Karten. Die dicht an dicht stehenden Häuschen mit Wellblechdächern lassen einen Einblick in das Leben der Nachbar*innen kaum vermeiden.

Guasmo ist ein sozialer Brennpunkt. Hier leben Hunderttausende Menschen auf engem Raum. Teilweise benötigen infrastrukturelle Basics wie Kanalisation und Müllentsorgung eine deutliche Verbesserung. Für junge Menschen gibt es kaum Freizeitangebote und wenig Perspektiven. So bleibt einzig die Straße als Ort zum „Abhängen“, wo Kinder und Jugendliche nicht selten mit kriminellen Banden und Drogen in Verbindung kommen.

Hier startete im Jahr 2005 das allererste MoG Musikprojekt: Eine Musikschule für Kinder und Jugendliche des Barrios in Zusammenarbeit mit der dortigen Organisation „Movimiento mi Cometa“. Inzwischen ist diese Musikschule ein stabiles und etabliertes Projekt mit dem Namen „Clave de Sur“. Clave de Sur wird von den Jugendlichen vor Ort geleitet. Hier wurden bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Horn, Kontrabass und Oboe) schon nahezu alle Musikinstrumente unterrichtet. Es gibt verschiedene Bands und Ensembles, sowie Chor- und Orchesterprojekte.

Ein typischer Tagesablauf*

6:00 Uhr:
Erstes Wachwerden. Entweder hat der Hahn der Nachbarn eine Kräh-Kette ausgelöst, die Katzen spielen auf den Wellblechdächern Fangen oder Teile der Gastfamilie stehen auf, um zur Schule oder Arbeit zu gehen.

9:00 Uhr:
Zweites Wachwerden. Langsam und gemütlich aufstehen, frühstücken.

10-12:30 Uhr:
Treffen in der Musikschule mit den anderen Freiwilligen. Der Fußweg beträgt maximal 7 Minuten, denn alle wohnen im unmittelbaren Umfeld. Oftmals kurze Blitzlichtrunde zur Befindlichkeit der Freiwilligen, dann Planung der Arbeit und sonstigen organisatorischen Dingen. Danach Zeit zum Üben, Unterrichten, Vorbereiten, Chillen.

13 Uhr:
Mittagessen mit der Gastfamilie. Das typische Menü: 1. Suppe. 2. Reis mit irgendetwas. 3. Frischgepresster Saft.

15-18 Uhr:
Einzel- und Gruppenunterricht, Proben, Bandcoaching in der Musikschule

18-19:30 Uhr:
Abendessen. Meistens wieder Reis mit irgendetwas, diesmal ohne Suppe.

19:30 -21 Uhr:
Einzel- und Gruppenunterricht, Proben, Bandcoaching oder Theorieunterricht in der Musikschule

Danach:
Gemeinsam mit den anderen MoGs und den jugendlichen Eccies (Ecuadorianer*innen) bei einem Feierabendbier zusammensitzen, Salsatanzen lernen und Spiele spielen – oder aber todmüde ins Bett fallen.

Am Wochenende:
Konzerte, Reinigung der Räume, Inventar, Wochenendtrips und viel mehr.

*Alle Zeiten sind Richtzeiten, auf plus/minus 30 Minuten muss man sich immer einstellen

 

Das Ziel

Wir wollen diese Musikschule musikalisch so weit voranbringen, dass in absehbarer Zeit einige der einheimischen Jugendlichen selbst als Musiker ohne Grenzen fungieren können und in Zweigstellen in anderen Teilen ihres Landes unterrichten. Es gibt bereits Schüler*innen die selbst Unterrichten, jedoch nicht sehr viele. Deshalb benötigen wir neben dem Instrumentalunterricht auch Unterricht in Didaktik, Methodik, Ensembleleitung, Musiktheorie.

Außerdem wäre ein festes Musikschulorchester ein Traum – die Instrumente gibt es inzwischen fast alle vor Ort. Ein Bläserensemble und Streichergruppen, sowie erste Ansätze für ein Orchester gibt es bereits seit 2012.

In den letzten Jahren haben sich zahlreiche Ensembles (u.a. Jazz-, Salsa- und Cumbiaband)  gegründet und diese benötigen ebenfalls Hilfe in Sachen Methodik und Improvisation.

Für die Arbeit in Guasmo solltest du mindestens 18 Jahre alt sein und in der Lage, eigenverantwortlich deinen Arbeitsplatz zu gestalten, denn es wird nicht von außen vorgegeben, wie(viel) du arbeiten sollst. Es ist wichtig, dass du dich an bestimmte Sicherheitsvorkehrungen halten kannst, denn im Guasmo gibt es viel Kriminalität und ab und zu auch mal eine Schießerei. Du solltest Spaß an der Arbeit im Team haben und ggfs. darauf verzichten können, ein eigenes Zimmer und einen festen, ruhigen Rückzugsort zu haben. Im musikalischen Bereich brauchen wir eher fortgeschrittene Musiker*innen, die im Idealfall mehrere Instrumente spielen. Besonders gefragt sind Gitarre, Klavier, Gesang, Schlagzeug, Geige.

Thema Sicherheit

Viele bekommen beim Thema Sicherheit eine Sorgenfalte auf der Stirn – nicht gänzlich zu Unrecht. In einigen Ecken des Landes ist es für uns nicht bedenkenlos ungefährlich. Die tatsächliche Gefahr lässt sich jedoch auf ein Minimum reduzieren, wenn man einige Hinweise beachtet. Während der Vorbereitung auf die Einsätze gehen wir auf diesen Punkt ausführlich ein. Die goldene Regel kann schon verraten werden: Immer auf die Eccies hören, denn die kennen sich am besten aus.