Im Februar begannen in Ecuador die mehrmonatigen Schulferien. Diese Zeit nutzt die Musikschule „Clave de Sur“ jedes Jahr, um eine Art Ferienprozess einzuleiten. In den sogenannten „Vacacionales“ wird verstärkt Musikunterricht gegeben, was bedeutet, dass neben den deutschen Freiwilligen auch viele Ecuadorianer als Musiklehrer arbeiten.
Besonders war in diesem Jahr, dass einige der ecuadorianischen Musiklehrer auch Unterricht in einem Drogenrehabilitationszentrum gaben. Bald sollen die Jugendlichen dort auch ein Konzert geben.

Eine tolle Gelegenheit bot sich auch für die Jazzband. Im Rahmen einer Prüfung der Universität der Künste, in der ein Musikschüler studiert, konnte die Band einen Song professionell aufnehmen und gleichzeitig filmen lassen. Komponiert wurde das Stück vom Gitarristen Vladimir Avila. Hier kann man das Video sehen:
Im März fand außerdem ein Festival in Mi Cometa, der Bürgerinitiative, die mit der Musikschule zusammenarbeitet, statt. Es wurden mehrere Zelte und Verkaufsstände organisiert, die den Menschen aus der Kommune die Möglichkeit boten, Waren zu verkaufen. Clave de Sur organisierte gemeinsam einen Essensverkauf, an dem Empanadas (ecuadorianische Teigtaschen) angeboten wurden. Die Musikschule nahm mit dieser Initiative 56 Dollar ein.


Außerdem wurde die Musikschule gebeten am Tag des Festivals für musikalische Unterhaltung zu sorgen. Die Bands aus Clave de Sur sollten sich präsentieren und dabei sollte darauf geachtet werden, ob jede Band genügend Programm hatte, um auf professionellem Niveau zu spielen. Im Moment arbeitet die Musikschule stark daran, das Niveau der einzelnen Bands so zu verbessern, dass die Gruppen für Events außerhalb der Musikschule engagiert und bezahlt werden können. Das Festival bot Clave de Sur insgesamt eine gute Möglichkeit, um mehr Werbung in der Kommune zu machen.

Im Monat März begann außerdem der Prozess des Musiktheaters. Hierzu kamen sechs deutsche Freiwillige in den Guasmo Sur, um mit den Teilnehmern Clave de Surs eine Kombination aus Schauspiel und Musik einzustudieren. Das Theaterstück, das den Namen „Las Calles del Guasmo“ trägt, basiert auf Interviews und Eindrücken der Musikschüler, die die Freiwilligen vor zwei Jahren gesammelt hatten. Die das Theaterspiel begleitende Musik wurde eigens dafür komponiert. Das Stück handelt vom Leben im Guasmo, von dessen Schwierigkeiten und Gefahren, aber auch den Träumen, die die Menschen an diesem Ort verfolgen.

Der Prozess des Musiktheaters dauerte 4 Wochen an. In diesen 4 Wochen wurde neben dem normalen Musikunterricht, von 18-22 Uhr, fünf Tage in der Woche geprobt. Die vielen Proben stellten für einige Musikschüler große Strapazen dar. Aber die viele Arbeit lohnte sich auch. Nach Ablauf der vier Wochen entstand eine Aufführung und ein während des Prozesses aufgenommener Film, der auf einem Filmfestival in Hamburg präsentiert werden soll. Organisiert wurde das Projekt von Benjamin Scheuer (Musik), Jana Beckmann (Regie) und Martin Mutschler (Dramaturgie), die in Guayaquil schon alte Bekannte sind.

Beim Videodreh für das Musiktheater
Gleichzeitig erhielt die Musikschule die Information, dass Mi Cometa der Musikschule einen neuen Raum für ein Tonstudio überlassen hatte. Die Idee eines eigenen Tonstudios ist schon lange in den Köpfen der Musikschüler verankert und hätte enorme Vorteile. Clave de Sur könnte somit nicht nur seine eigenen Aufnahmen produzieren, sondern das Studio könnte auch als regelmäßige Einnahmequelle durch externe Bands dienen. Die Musikschüler haben große Lust, dieses Projekt in die Tat umzusetzen. Sie arbeiten daran, Geld durch Aufführungen, Promotionen, Straßenmusik oder Essensverkäufe zu verdienen. Für die Umsetzung und Ausstattung eines Tonstudios in Clave de Sur benötigte die Musikschule rund 25.000 Dollar. Wir hoffen sehr, dass dieser Traum trotz der finanziellen Schwierigkeiten realisiert werden kann.
Am 16. April fand die Abschlussaufführung des Musiktheaters statt. Genau an diesem Tag erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,8 das Land. Wir sind sehr froh, dass es allen Musikschülern und Freiwilligen in den Projekten gut geht. Trotzdem sind im Land enorme Schäden entstanden. Die Zahl der Toten wird auf über 500 geschätzt, daneben gibt es unzählige Sachschäden. Clave de Sur hat es sich als Priorität gesetzt in dieser schwierigen Situation, die betroffenen Gebiete des Erdbebens mit allen möglichen Mitteln zu unterstützen. Die Musikschüler sammeln derzeit Kleider und Essensspenden, wobei manche der Musikschüler sogar als Freiwillige selbst in die Krisengebiete fahren wollen. Der Musikunterricht läuft soweit es möglich ist, normal weiter. Vor soviel Engagement können wir nur alle Hochachtung haben und unseren ecuadorianischen Freunden Stärke und Durchhaltevermögen für den Wiederaufbau wünschen.

Die Musikschule sammelt Sachspenden und hilft so gut es geht
Dies ist ein Eintrag von Samuel Gapp, für die Betterplace-Seite des Projektes.
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